Geistige Entwicklung und Gesundheit

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Bisher kannte man zwei Lebenstriebe: Selbsterhaltung und Fortpflanzung. Nun wurde von einer ersten Autorität der Naturwissenschaffenden der dritte Lebenstrieb verkündet: das Gesetz der „Geistigen Entwicklung“.

Wenn der Nobelpreisträger Prof. Alexis Carrel nichts anderes geleistet hätte als die Verkündung dieses Lebensgesetzes, dann hätte er sich allein deshalb den Dank der ganzen Menschheit verdient. Denn nun bekommen auch Lebensschicksale einen versöhnlichen Sinn: gerade die Schattenseiten des Lebens, also auch Not, Leid, Krankheit, dienen der Höherentwicklung des Menschen. „Geistige Entwicklung“ bedeutet: In jeden Menschen wurde ein Funke göttlichen Geistes gesenkt, durch welchen jeder, ob hoch oder niedrig, gebildet oder ungebildet, alles Wissen und alle Weisheit, wenn auch zunächst unerschlossen, in seinem Innern trägt.

Das äußere Weltgeschehen in Politik, Kunst, Wirtschaft, Schicksalen usw. dient dazu, dieses innere Universalwissen hervorzuzaubern und zu entwickeln. So hat alles, was geschieht einen tiefen Sinn, und auch das Böse ist eine gelenkte Kraft, die Gutes schaffen soll. Solche Erkenntnis wirkt beruhigend auf die Seele, und von den vielen Aspekten, unter denen dieses Gesetz betrachten kann, ist auch seine Anwendung auf die Gesundheitspflege von größter Bedeutung. Was häufig seelisch und körperlich krank macht, ist die Unfähigkeit mit den Aufgaben des Lebens geistig-seelisch fertig zu werden.

Unsere Seele wird von „bösen“ Menschen geängstigt, gekränkt, bedrückt, übervorteilt; Hass, Neid, Zorn, Kummer und Süchte verzehren unsere Lebenskräfte; wir verfluchen Gott, Welt und Menschheit, die uns soviel Widerwärtiges in den Weg legen; wir finden keinen Sinn in einem Leben, welches die Menschen durch Selbsterhaltungs- und Fortpflanzungstrieb unweigerlich in Kollision miteinander bringt. Nun werden die beiden Triebe durch das Gesetz der „Geistigen Entwicklung“ überrundet, und wenn wir nun wissen, dass alles äußere Geschehen darauf angelegt ist uns zur geistigen Höherentwicklung zu verhelfen, dann bekommt es ein anderes Gesicht.

Wir lernen Menschen und Ereignisse zu durchschauen und hinter ihnen einen väterlichen Regisseur wirken, der sie an uns heranbringt und uns mit ihrer Bewältigung durch geistig-seelisches Wachstum beauftragt. Unreif kommen wir ins Leben, reifer und reicher an Erfahrung sollen wir es verlassen. Alles Widerwärtige sind Schulaufgaben, die wir meistern müssen, um in eine höhere Klasse aufsteigen zu können. Diejenigen Menschen, die das Unangenehme an uns heranbringen, also gerade unsere Gegner und Feinde, sind in Wahrheit unsere Lehrer und Freunde, welche uns Hürden in den Weg zu legen haben, damit wir das Springen lernen können.

Sehen wir hinter ihnen die lenkende Macht, dann lernen wir sie verstehen und kommen in unserer Entwicklung schließlich so weit, dass uns nichts mehr zurückschrecken kann. Das heißt unsere Seele hat die große Ruhe gewonnen; diese stärkt die Lebenskräfte und damit auch die Widerstandskräfte gegen Krankheit jeder Art. Jede vorbeugende Gesundheitspflege muss vom Seelischen ausgehen, und das Gesetz der „Geistigen Entwicklung“ ist ein Heilmittel für die Seele.

Dr. med. homöop. Heinrich Will (Juni 1954)
(Die Tochter dieses außergewöhnlichen Arztes (1891-1971) veröffentlicht Texte von ihm auch auf facebook, "Naturheilkundlicher Ratgeber")