Krankheit – Woher? - Wohin?

bacteria

 

Alle Krankheit ist Selbstvergiftung - Alle Heilung ist Selbstheilung

(Dr. med. homöop Heinrich Will, um 1950)

  1. Schule der Selbsterkenntnis

Der Mensch war einst ein geistiges Wesen, welches tunlichst weder an Raum und Zeit, noch an Form und Stoff gebunden, sondern in die Unendlichkeit und Ewigkeit ausgegossen war und überall und in allen Zeiten sein Wesen trieb.

Dieses geistige Wesen nennen wir im Folgenden „Geistselbst“ oder einfach „Selbst“. Dieses Geistselbst ist von dem Drang erfüllt, sich selbst zu erkennen. Wie ein Bauer zum Pflügen ein paar Zugtiere und einen Pflug haben muss, wie der menschliche Körper zum Verdauen einen Magen, zum Denken ein Hirn, zum Sehen ein paar Augen usw. benötigt, so braucht das Geistselbst zur Selbsterkenntnis das Leben in Raum und Zeit und die zu diesem Leben nötigen Einrichtungen.

Wie der Bauer sich zu seinem Beruf ein Vollständiges totes und lebendiges Inventar anschafft, wie der menschliche Körper zu seiner Erhaltung und Fortpflanzung sich ein System von Organen eingerichtet hat, so baut sich das Geistselbst sein Inventar und seine Organe zum Leben: eine vierteilige Seele und einen zweiteiligen Körper, also sechs Teile, welche ihm zusammen ein vollständiges Instrument schaffen, um auf der Erde, gebunden an Raum und Zeit, zu „leben“, d.h. alle Möglichkeiten des Lebens in sich aufzunehmen und sich selbst mit seinem ganzen Wesen dem Leben zu offenbaren.

In diesem Wechselspiel und in der Art und Weise dieses Nehmens und Gebens lebt und erlebt sich das Geistselbst, und aus dem Erleben in Raum und Zeit, in Form und Stoff erwächst die Selbsterkenntnis. Das irdische Leben also ist eine Schule der Selbsterkenntnis, und zwar das irdische Leben in allen seinen Phasen und Möglichkeiten, in Gut und Böse, in Freud und Leid, in Liebe und Hass: nur Gegensätze erzeugen die Spannung, deren Überwindung den höheren Gesichtspunkt und damit die bessere Erkenntnis ermöglicht.

Wie der Baumstamm sich mit einer Glocke von Ästen und Zweigen umgibt, welche alljährlich ihre Blätter hinausstrecken, um die Sonne zu erleben, so umgibt sich das Geistselbst mit sechs immer dichter werdenden Hüllen, deren äußerste, den fleischlichen Leib, der mit den erdstofflichen Elementen ausfüllt und auf die Erde und in die Menschheit hineinstellt, um in der großen Spannung zwischen Geist und Stoff sich selbst zu erleben, zu erkennen und nach gewonnener Selbsterkenntnis aus den Hüllen wieder bis zum reinen Geist zu entdichten.

  1. Das Geistselbst und seine sechs Hüllen

Somit ist der menschliche Körper nichts anderes als der stoffliche Teil eines 7-teiligen Wesens, dessen Gesamtheit wir den Geistesmenschen nennen. Wir können mit unseren 5 Sinnen und den Methoden der Wissenschaft nur den stofflichen Leib erkennen, aber unser Gefühl und unsere Vernunft sagen uns, dass dieser Körper unmöglich der ganze Mensch sein kann.

Da muss noch eine Kraft sein, welche die Funktion der Leibesorgane regelt, welche das Auge zu sehen, die Ohren zu hören, die Lunge zu atmen, das Herz zu schlagen befähigt, und wie die staunenswerten Funktionen alle heißen, welche keine Maschine jemals nachgeahmt hat noch nachahmen wird; eine Kraft, welche das Wunder der Menschwerdung vollbringt, bei welchem aus einer einzigen, fast unsichtbaren Zelle in neun Monaten dieser herrliche Leib mit seinen unerhört zweckmäßigen Einrichtungen hervorgeht; eine Kraft, die wir nicht mit Händen greifen, sondern nur an ihren Wirkungen erkennen können, wie etwa an der leuchtenden Glühbirne den unsichtbaren elektrischen Strom. Wir nennen diese Kraft die LEBENSKRAFT oder den AETHERLEIB und bezeichnen sie als das Bindeglied zwischen Körper und Seele.

Wie jedes elektrische Kraftwerk Wasser oder Kohle benötigt, um Strom erzeugen zu können, so braucht das Lebenskraft-Werk einen Antrieb, um dem Körper den Lebensstrom zur Verfügung stellen zu können. Es muss einen Teil im Menschen geben, welcher heiß nach Erleben „begehrt“, den Leib ins irdische Leben hinein „treibt“, und so das Kraftwerk mit Betriebsmitteln versorgt. Wir nennen diese Hülle die TRIEB- und BEGIERDENSEELE.

Da das Geistselbst aber nicht nur sich in das Leben hineinstellen, sondern auch das Leben in sich aufnehmen will, muss es sich eine sehr empfindliche Hülle schaffen, in welcher es Lust und Unlust des Lebens fühlt. Diese Hülle ist die EMPFINDUNGSSEELE.

Das Hineinwirken ins Leben schafft Komplikationen, deren Folgen der Mensch oft mehr als ihm zuträglich ist, zu fühlen bekommt. Er bedarf eines ausgleichenden Organs, welches Triebe und Empfindungen in Schranken hält und das Handeln in geordnete Bahnen lenkt: das ist die VERSTANDESSEELE, die Hülle, welche den Menschen die Fähigkeit des Denkens gibt.

Nun hat der Mensch Denken und Rechnen gelernt und kann die Folgen seiner Handlungen vorausberechnen. Diese Fähigkeit der Berechnung hat sich als sehr gefährlich erwiesen: sie hat den Egoismus erzeugt, welcher das Leben nicht als eine Schule der Selbsterkenntnis betrachtet, sondern als eine Einrichtung, um die Gier nach Macht und Genuss zu befriedigen. Es musste daher eine Hülle geschaffen werden, welche den Menschen seiner höheren Bestimmung bewusst macht und Seele und Leib mit dem Geistselbst eng verbindet: dies ist die BEWUSSTSEINSSEELE.

Wollen wir also den Menschen und seine Krankheiten richtig beurteilen, so dürfen wir ihn nicht nur als einen Körper sehen, sondern wir müssen ihn als den Geistesmenschen betrachten, der aus Geist, Seele und Leib besteht und dessen Leib nichts anderes ist, als das sichtbare Bild eines unsichtbaren geistigen Urbilds.

  1. Bindeglied zweier Welten

So ist der Mensch ein Bewohner zweier Welten: mit seinem Selbst ist er ausgegossen in das geistige Reich, mit seinem stofflichen Leib lebt er in der irdischen Welt. Das Selbst empfängt Berufung und Eingebung aus dem geistigen Reich und führt sie mittels seiner Hüllen, vor allem der äußersten, dem stofflichen Leib, in der irdischen Welt durch, es durchdringt und durchgeistigt das Leben, wie der Regentropfen die Erdkrume durchdringt und fruchtbar macht.

Der Regentropfen ist nichts anderes als verdichtete Wolkensubstanz: eine einzige Wolke verdichtet sich zu Milliarden Regentropfen, welche die Erde durchfeuchten, als Nebel aus ihr aufsteigen und wieder in der Wolke EIN Gebilde werden. So verdichtet sich das geistige Selbst zum stofflichen Leib und durchdringt das Leben. Die Geistselbste aller Menschen sind wie die Wolke EIN einziges geistiges Gebilde, welches wir das Ur-Ewige nennen, weil es nicht an Zeit gebunden, sondern ewig ist; oder das All-Eine, weil es nicht durch einen Raum eingeschränkt, sondern in das All ausgegossen ist, sodass es als Eines das All umfasst und als Vielheit allgegenwärtig ist. Wie die Wolke zu Regentropfen, so verdichtet sich das All-Eine zu Milliarden Menschenleibern, durchdringt mit ihnen das Leben und sammelt sich nach vollendeter Selbsterkenntnis wieder in das All-Eine, wie die Erdfeuchtigkeit wieder als Tau und Nebel aufsteigt und zur Wolke wird.

Wenn du einem Menschen begegnest, so begegnest du dir selbst, denn dein Selbst und sein Selbst sind im geistigen Reich ein und dasselbe All-Eine, welches sich nur vorübergehend in die Vielheit gespalten hat, sich aber später wieder zur Einheit zurücknimmt. Wenn du mit den Menschen lebst und arbeitest, so lebst und arbeitest du mit dir selbst; wenn du sie quälst oder mit ihnen streitest, so quälst und bekämpfst du dich selbst; und wenn du sie liebst, dann liebst du dein eigenes Selbst und in ihm das Ur-Ewige und All-Eine, das sich in dich und Milliarden anderer Menschen verdichtet hat.

So ist der Mensch nicht nur Bewohner zweier Welten, sondern die beiden Welten wohnen auch in ihm, er ist das Bindeglied zwischen beiden, noch mehr: er ist das Instrument, durch welches das geistige Reich in die irdische Welt hineinwirkt. Alles, was auf Erden geschieht, ist geistiges Wirken, ist sorgfältig geplantes, wohlgeordnetes, zielgerichtetes, sinnvolles Geschehen zu dem einzigen Zweck: der Selbsterkenntnis. Was die Seele als Freud und Leid empfindet, was im Körper als Gesundheit oder Krankheit erscheint, alle Begegnungen, Zufälle und Unfälle des Lebens sind nichts anderes als Stufen auf dem Wege, welcher zur Selbsterkenntnis hinaufführt. Das Mittel aber, durch welches die Stufen überwunden und die Höhe erklommen wird, ist nur eines: die Liebe.

Das Ur-Ewige will sein Ziel der Selbsterkenntnis nur durch Liebe erreichen, und wie der Mensch das Instrument ist, durch welches der Geist in das Leben hineinwirkt, so ist der Mensch auch das Gefäß, durch welches der Geist der Liebe in die Welt hineinfließt. Das Ur-Ewige erfüllt sein Instrument Mensch mit Liebe, und der Mensch soll diese Liebe durch Denken, Fühlen und Handeln hineintragen in Welt, Leben und Menschheit.

  1. Selbstvergiftung

Die menschliche Hüllenorganisation ist geschaffen worden als Gefäß für den Durchfluss der Liebe, sie ist mit hochempfindlichen Einrichtungen versehen worden, um jedes Stocken des Liebesflusses sofort automatisch zu regulieren. Wenn der Mensch nicht all sein Denken, Fühlen und Handeln mit Liebe durchtränkt, wenn er also die Liebe, die in ihn einströmt und ihm sein Dasein überhaupt erst ermöglicht, nicht weitergibt im Leben, dann sperrt das Selbst den Liebesstrom, wodurch zuerst die Bewusstseinsseele verwirrt wird: der Mensch verliert das Bewusstsein, ein geistiges Wesen mit geistigen Aufgaben zu sein, die Verbindung zu seinem Selbst und zur geistigen Welt ist unterbrochen. Was nun folgt, ist ein automatisches Geschehen zu dem einzigen Zweck, die Verbindung wiederherzustellen.

Als nächstes wird die Verstandesseele ergriffen: das Denken wird erfüllt von dem Streben nach irdischem Reichtum, nach Macht über andere Menschen mit allen damit verbundenen Scheußlichkeiten wie Betrug, Gewalt, Ausbeutung und unsoziales Verhalten, Unmenschlichkeit, Krieg usw., kurz, ein wirres krankhaftes Denken, welches nun auf die Empfindungsseele übergreift: die Empfindung von Lust, von Wollust, wird zum einzigen Maßstab für die Handlungen im Leben, hinter der alle Gefühle für die Nöte von Mensch und Tier zurücktreten.

Derartiges Denken und Fühlen ist von furchtbarer Wirkung auf die Trieb- und Begierdenseele: sie begnügt sich nicht mehr mit der Erhaltung des Leibes und der Fortpflanzung der Art, sondern der Nahrungs- und Geschlechtstrieb werden zu Genuss und Wollust missbraucht. Der so in seinen 4 Seelenteilen irregeleitete Mensch erscheint nun schon deutlich als ein Kranker, als Seelen oder „Nerven“-kranker: Er ist missgestimmt, reizbar, voller Angst und Neid, geizig, habgierig und wie die Affekte alle heißen.

Dieser Zustand schwächt ununterbrochen die Lebenskraft, sodass dieses Kraftwerk nicht mehr genügend Strom für den Körper erzeugen kann.
Die Folge ist ein Nachlassen aller Funktionen des stofflichen Leibes: das Herz wird schwach und die Blutzirkulation träge, die Drüsen sondern weniger lebenswichtige Säfte ab, die Lungen atmen die Giftgase nicht mehr aus und nehmen immer weniger Heilkräfte aus der Luft auf, die Muskulatur verkümmert und lässt harte Arbeit nicht mehr zu, die Ausscheidungen über Nieren und Darm und Haut werden ungenügend, die Entgiftungstätigkeit der Leber lässt nach, der Stoffwechsel stockt, und es bilden sich überall Stauungen mit Schlacken- und Giftablagerungen, und wie die Schädigungen alle heißen, die sich fortschreitend entwickeln. Schließlich ballen sich alle Gifte explosionsbereit zusammen, die Spannung wird so groß, dass irgendein kleiner Anlass die Explosion herbeiführt: ein Feuer bricht aus, das wir Entzündung nennen, die Gifte werden gekocht, umgewandelt und zur Ausscheidung gebracht.

Alle Wirrnisse und Stockungen in Seele und Lebenskraft haben sich in den Körper gesenkt, Geistiges hat sich zu einer Giftmasse verdichtet, entzündet und ist durch den Prozess ausgeschieden worden, den wir als Krankheit bezeichnen. Krankheit ist Selbstvergiftung und Selbstreinigung, Regulation von Schäden im Geistig-Seelischen, Wiederherstellung des Gefäßes für den Durchfluss der Liebe.

  1. Auflösung des Brandes

Solange ein Bach in seinem Bett ungehindert weiterfließt, reinigt er sich selbst und sein Bett; wird er am Weiterfließen behindert, so staut sich das Wasser, zersetzt sich, geht in Fäulnis über und erzeugt giftige Dünste und schädliche Schmarotzer. Wenn der Liebesfluss im menschlichen Gefäß dadurch zum Stocken kommt, dass der Mensch die Liebe nicht mehr herauslassen will, dann tritt die gleiche Zersetzung, Fäulnis und Vergiftung ein, die Giftstoffe sammeln und stauen sich im Körper als feuergefährlicher Zunder und durch irgendeinen inneren oder äußeren Anlass wird der Brand ausgelöst. Innere Anlässe sind Schicksal und Vererbung, äußere: Ansteckung, Erkältung und Gemütsbewegung.

  1. Schicksal

Wir kennen den Sinn des Lebens: es soll dem Geist des Menschen ermöglichen, sich selbst zu erkennen. Dazu hat er sich den stofflichen Leib geschaffen und ins Leben hineingestellt, damit er durch diesen Leib alle Phasen und Möglichkeiten des Lebens auskosten kann. Dieser Leib ist aber aus vergänglichem, irdischem Material erbaut, welches nur beschränkten Anforderungen gewachsen und nach einer bestimmten Zeit verbraucht ist. Um das Leben in seiner ganzen Fülle zu erfahren, dazu genügt ein einziger Körper nicht, dazu sind zahlreiche Körper und Erdenleben notwendig.

Es ist durchaus nicht verwunderlich, dass die Menschheit beim Eintritt in die Epoche des Materialismus vor etwa 2000 Jahren die Kenntnis von der Wiederverkörperung verloren hat; wer den Sinn des Lebens nur darin sieht, möglichst viel zu erraffen und zu genießen, der flieht vor jedem Gedanken, dass seine Handlungen in diesem Leben ihre Folgen in einem späteren Leben haben werden, und dass alle die Menschen, die er in diesem Leben geschädigt hat, ihm in einem späteren Leben wieder begegnen und Rechenschaft fordern können.

Erstaunlich ist nur, dass in heutiger Zeit, wo Millionen ihren inneren Halt verloren haben und ernstlich nach einer Erklärung für das Weltgeschehen sucht, die Gewissheit der Wiedergeburt nicht längst wieder zum Allgemeingut geworden ist. Denn sie allein gibt eine befriedigende Erklärung für alle Zufälle des Lebens und die heutigen verwirrenden Weltereignisse. Sie allein kann daher den haltlosen und unglücklichen Menschen innere Ruhe und Zuversicht und damit auch eine der Voraussetzungen für körperliche und geistige Gesundheit geben.

Leben und Tod sind wechselnde Zustände unserer geistig-seelischen Wesenheit, eine Erweiterung von Wachen und Schlafen. Die Erlebnisse, die wir im Wachzustande des Tages hatten, nehmen wir mit hinein in den Schlaf, um sie während der Nacht unserem geistigen Wesen einzuverleiben. Wenn wir am Abend mit einem ungelösten Problem zur Ruhe gingen, wachen wir am anderen Morgen oft mit der Lösung auf: während der Nacht war unser geistig-seelisches Wesen in ein höheres Reich ausgegossen und hat sich dort Rat geholt.

Der Tod ist nichts anderes als das Einschlafen, er ist zugleich eine Geburt in die geistige Welt. Alle unvollendeten Aufgaben und ungelösten Probleme des Lebens nehmen wir mit hinüber, holen uns dort Rat und neue Kraft und bauen uns dann einen neuen Körper, um in einem neuen Leben und mit neuen Kräften an unserer Mission weiter zu arbeiten. Erst wenn wir uns in vollendeter Weise selbst erkannt haben, brauchen wir nicht mehr auf die Erde zurück.

Wie wir uns im Leben durch unser Verhalten an einem Tag die Vorteile oder Schwierigkeiten für den anderen Tag schaffen, so bereiten wir uns auch durch unsere Taten in einem Leben das Schicksal für die nächste Verkörperung. Es gibt keine über uns stehende Macht, welche uns willkürlich im Leben Glück oder Unglück zuteilt. Unser Schicksal in diesem Leben haben wir uns in früheren Leben selbst geschaffen, und nach unseren Handlungen in diesem Leben gestaltet sich unser Schicksal in dem kommenden Leben.

Der Maßstab, nach welchem uns das Schicksal zugemessen wird, ist die Liebe, die wir jetzt üben. Unser Ziel der Selbsterkenntnis treibt uns in die schwierigsten Situationen des Lebens, denn wir müssen uns in jeder Lebenslage auskennen, wir müssen in der Reihe unserer Verkörperungen alle Nöte und Leiden, alle Freuden und Genüsse, ja alle Schlechtigkeiten und Bosheiten und alles, was im Leben überhaupt möglich ist, durchmachen und erleben, um uns an der Meisterung dieser Situationen oder an unseren Niederlagen selbst zu erkennen. -

Alle diese Stationen können uns nicht erspart werden, ebenso wenig wie dem, der General werden will, der Durchgang durch die verschiedenen Unteroffiziere und Offiziersränge erspart werden kann. Aber das wir alle diese Stationen liebend durchlaufen, dass wir Armut und Verfolgung, in Reichtum und Macht, in Familie, Amt und Geschäft Liebe ausstrahlen, darauf kommt es an, davon hängt unsere Bewährung ab, danach richtet sich unser Schicksal im kommenden Leben.

So wird das Schicksal auch zu einem der Faktoren, welche eine Krankheit auslösen können, auch dann, wenn keine Selbstvergiftung vorausgegangen ist. Unter einem günstigen Schicksal können unheilbare Krankheiten wie z.B. Krebs von selbst ausheilen, und ein ungünstiges Schicksal kann die harmloseste Krankheit zu einem Dauersiechtum machen.

Die Macht des Schicksals ist stärker als alle unsere Heilmethoden. Wenn wir erschüttert und ratlos am Bett eines Unheilbaren stehen, dann wissen wir, dass diese Krankheit entweder der Ausgleich ist für Lieblosigkeit im früheren Leben, oder dass sie eine Schule ist für eine ihm zugedachte große Menschheitsaufgabe im kommenden Leben, für welche er Geduld, Zähigkeit, Ertragen, Mut, Zuversicht, Opferkraft usw. erlernen soll. Oft ist sie beides zugleich, denn jedes tapfer ertragene und überwundene Leid hat Überwindungskräfte für die Schwierigkeiten des kommenden Lebens geschaffen.

  1. Vererbung

Die Vererbungswissenschaft hat in den letzten Jahrzehnten bedeutende Fortschritte gemacht; aber manche Anzeichen deuten darauf hin, dass sie noch in den Kinderschuhen steckt und durch unvorhergesehene Entdeckungen in ihren Grundfesten erschüttert werden kann. Sicher ist jedoch, dass manche Krankheiten von den Eltern und Vorfahren auf Kinder und Enkel vererbt werden können, aber nicht müssen. Warum sie sich manchmal vererben und manchmal nicht, ist wissenschaftlich noch nicht geklärt.

Hier bringt die Tatsache der Wiederverkörperung und des Schicksals Licht in das Dunkel, zumal dadurch die bisherigen Ergebnisse der Wissenschaft vollauf bestätigt werden. Wenn eine in den Kosmos ausgegossene geistige Wesenheit sich zur Wiederverkörperung entschließt, so sucht sie sich das Elternpaar, ja die ganze Ahnenreihe aus, deren Erkenntnisaufgaben am besten ermöglichen. Sie geht dabei ähnlich vor wie ein Schmetterling, der suchend von Blume zu Strauch und Baum fliegt, um einen seiner Art entsprechenden Platz zur Ablage seiner Eier zu finden. Wenn dann aus diesen Eiern die Schmetterlingsraupen hervorgehen, dann wird niemand sagen, dass die Blume oder das Blatt diese hervorgebracht hat.

So sucht sich das geistige Wesen, welches im kommenden Leben durch eine bestimmte Krankheit einen Ausgleich für Lieblosigkeit im vergangenen Leben schaffen muss, ein Elternpaar aus einer Ahnenreihe, in welcher diese Krankheit erblich ist, wie sich z.B. ein Mensch, der durch fehlerhafte Lebensweise Gifte in seinem Körper angesammelt hat, zu einer Fastenkur entschließt, um dadurch den Ausgleich für frühere Lebensfehler zu erreichen.

Wenn also eine Erbkrankheit ausbricht, so ist sie nicht allein von den Vorfahren ererbt, sondern im eigenen Selbst schicksalsmäßig längst vorbereitet und durch eine Selbstvergiftung im früheren Leben erworben. Nur wurde damals ihre Auslösung aus irgendwelchen Gründen vermieden oder unterdrückt. Auch in diesem Leben mag es Menschen geben, welche trotz widernatürlichsten Lebens, trotz nachweislicher Selbstvergiftung nicht erkranken oder den Ausbruch der Krankheit immer wieder zu unterdrücken verstehen. Aber die Regulation bleibt auch ihnen nicht erspart. Sie verkörpern sich das nächste Mal in einer Familie, in welcher die Anlagen zu einer Krankheit bestehen, die dann auch ohne Erkältung oder Ansteckung ausbrechen kann.

  1. Ansteckung

Vor knapp hundert Jahren wurden zum ersten Mal jene Kleinlebewesen im Mikroskop gesehen, welche im Verlauf vieler Krankheiten erscheinen. Ein Jubel ging durch die Welt: man hatte die „Erreger“ der Krankheiten gefunden, nun endlich glaubte man die Krankheiten an der Quelle ausrotten zu können. Es wurden heroische Vernichtungsfeldzüge gegen die Bazillen geführt, denen sowohl die Bazillen als auch zahlreiche Menschen zum Opfer fielen. Es erwies sich nämlich, dass die gleichen Chemikalien, welche Bazillen töten können, auch zugleich das Leben vernichten.

Von dieser „Therapia magna sterilisans“ ist man daher schnell wieder abgekommen. Aber auch die Ansicht, dass Bazillen die Erreger der Krankheiten sind, hat eine kräftige Revision erfahren müssen, seit der Hygieniker Pettenkofer ganze Kulturen von Millionen Cholerabazillen schluckte und – gesund blieb. Dieses Experiment ist seither mit anderen Bazillen mit gleichem Erfolg wiederholt worden.

Es ist ja auch weit bekannt, dass bei den ansteckendsten Krankheiten wie Typhus, Diphtherie, Scharlach usw. zwar manchmal viele Menschen gleichzeitig erkranken, aber sonderbarerweise nicht ganze Familien oder Straßenzüge, sondern immer nur eine Person aus einer Familie und höchstens einzelne aus einer Straße. Warum erkrankt von sieben Kindern einer Familie nur eines und die andere erkranken nicht? Weil die Ansteckung mit Bazillen nicht das Wesentliche der Krankheitsentstehung ist, sondern die Krankheitsbereitschaft des Körpers.

Wir haben also immer wieder unsere Aufmerksamkeit auf die inneren Ursachen zu richten: Ansteckung soll nicht geleugnet werden, aber angesteckt kann nur brennbares Material werden. Die Stoffwechselgifte sind das Pulver und die Bazillen nur das Streichholz, welches das Pulver zur „Entzündung“ bringt. Ohne Pulver sind die Bazillen machtlos, wie Prof. Pettenkofer nachgewiesen hat.

Lassen wir also die armen Bazillen in Ruhe, die vielleicht noch viel unschuldiger und harmloser sind als wir heute wissen. Es hat sich nämlich inzwischen herausgestellt, dass in der Mundhöhle auch bei gesunden Menschen häufig ganze Serien böser Bazillen gefunden werden, ohne dass der Betreffende krank wird. Es gibt also Zustände der Bazillen, wo sie kraftlos sind und Zustände, wo sie ansteckungsfähig werden. Wodurch werden sie virulent? Wodurch werden die Colibazillen des gesunden Darmes zu Typhusbazillen? Ist Typhus vielleicht gar nicht so ansteckend, sondern auch er eine Regulation von innen heraus?

Diese Fragen sind Gegenstand ernster wissenschaftlicher Forschung. Würde man aber alle Mühen und alle Kosten, die solche Untersuchungen verursachen, auf die Hauptursache aller Krankheit, auf die Selbstvergiftung des Körpers, und damit auf die Schaffung von Nährboden für die Bazillen richten, und das Volk hierüber aufklären, dann könnte man die Bazillen und ihre Probleme lassen wie sie sind; denn ohne das innere Pulver sind sie unschädlich, ob sie nun virulent sind oder nicht.

  1. Erkältung

Eine viel größere und realere Rolle als die Ansteckung spielt die Erkältung bei der Auslösung einer Krankheit. Sie gilt als die häufigste Krankheitsursache, und es gibt wohl kaum einen Menschen, der nicht wiederholt erkältet war. Dass die Erkältungen hauptsächlich im Frühjahr und Herbst auftreten, zeigt schon, dass sie vom Wetter abhängen, aber nicht nur von kaltem und feuchtem Wetter, sondern auch von einer Überwärmung in der größten Sommerhitze.

Es gibt eine mechanistische Erklärung für das durch Erkältung im Körper ausgelöste Krankheitsgeschehen: durch die Kälte wird ein großes Hautgebiet „erschreckt“, das Blut zieht sich aus der Haut ins Innere zurück und es bildet sich eine Gänsehaut. Durch diese plötzliche Blutentleerung eines ganzen Gebietes werden Schlackenlager in demselben mobilisiert und stürzen sich auf das gerade schwächste Organ im Körper, vielleicht den Hals, die Lungen oder die Nieren, diese entzünden sich und schmelzen die Schlacken in eine ausscheidbare Form um, z.B. Schleim, Eiter oder Schweiß.

Dieser Vorgang des Umschmelzens der Schlacken geschieht unter Fieber und Schmerzen, bringt den ganzen Körper in Aufruhr, es besteht ein elendes Allgemeinbefinden und Appetitlosigkeit, der Körper leistet schwere Ausscheidungsarbeit, und das betreffende Organ ist der Kessel, in den der Körper nun möglichst viel Schlacken hineinleitet und verbrennt. Jede Entzündung ist ein sehr heilsamer Reinigungsprozess, den man nicht stören oder gar unterdrücken darf; vor allem darf man das Fieber nicht durch chemische Fiebermittel vertreiben, weil ohne Fieber die Schlacken nicht umgeschmolzen werden können.

Sie bleiben dann ganz oder teilweise im Körper zurück und machen z.B. aus einer Lungenentzündung eine Lungentuberkulose, aus einer Ohrenentzündung eine chronische Ohreiterung; kurz, aus einer akuten Krankheit eine chronische.

Gegen Erkältung kann man sich durch Abhärtung weitgehend schützen. Abhärten heißt: „Erkälte dich täglich“, und die Abhärtungsmittel sind Luftbäder und Kaltwasseranwendungen, beide nach dem Gesetz „Warm-Kalt-Warm“ genommen, d.h. die Kälte darf nur einen gut warmen Körper treffen, und nachher muss der Körper wieder erwärmt werden. Durch die tägliche Erkältung werden laufend kleine Schlackenlager gelöst und durch die natürlichen Ausscheidungsorgane ausgeschieden. Der gesamte Stoffwechsel wird also beschleunigt. Die natürliche wie die künstliche Erkältung sind demnach Selbstregulation der Lebensfehler, die zur Schlackenbildung geführt haben. Werden diese Lebensfehler vermieden, dann gibt es weder Erkältung noch andere Krankheiten. Ohne Änderung der Geisteshaltung und der Lebensweise, ist daher auch noch so erfolgreiche Abhärtung doch umsonst.

  1. Gemütsbewegung

Wir haben schon gesehen, wie eine Krankheit im Geistselbst des Menschen entsteht, durch die seelischen Hüllen wandert und sich im Körper materialisiert, um aus ihm heraus geboren zu werden. Es gibt genügend Fälle, an denen die Materialisation einer geistigen Substanz bewiesen werden kann. Es ist weithin bekannt, dass eine heftige Gemütsbewegung, z.B. ein Ärger, einen Gallenstein- oder Nierensteinanfall auslösen kann. Ein plötzlicher Schreck kann einen Durchfall hervorrufen, Angst einen Schweißausbruch usw.. Wie geht das vor sich? Nur ein Mensch, der seelisch schon geschädigt ist, kann sich ärgern, erschrecken oder fürchten; denn die Dinge oder Ereignisse, welche zu Ärger, Schreck oder Furcht Veranlassung geben, sind immer da, sie gehören zum normalen Leben.

Die Dinge erzeugen keinen Ärger, Schreck usw., sondern es sind ärgerliche, schreckhafte, ängstliche Menschen, welche harmlose Dinge zum Anlass nehmen, um an ihnen ihren Ärger, Schreck usw. abzuregulieren. Diese Menschen sind schon krank, ihre Krankheit sitzt in der Seele und ist auf dem Wege, sich im Körper zu manifestieren. Es bedarf nur noch eines besonderen Anlasses, dann wird sie sich in eine Körperkrankheit verdichten. In unserem Fall ist dies ein ganz besonderer Ärger, Schreck oder Angst. In anderen Fällen schwächt dauernde Ärgerlichkeit usw. die Lebenskraft allmählich, während plötzlicher schwerer Ärger einen Kampf derselben auslöst, welcher die Galle zur Gerinnung bringt, so dass Gallensteine entstehen.

Der Schreck löst Stoffwechselschlacken und treibt sie in den Darm, die Angst erzeugt auf ähnliche Weise den Schweiß.
Nach dem Abgang der Gallensteine, des Durchfalls, des Schweißes ist die Seele wieder frei, der Mensch atmet auf: ein Seelenaffekt hat sich in Materie verwandelt und den Körper verlassen, der Mensch ist – vorerst – geheilt, und er wird gesund bleiben, wenn nicht vom Geiste her sich eine neue Wolke in der Seele zusammenzieht, die sich wieder in den Körper hinein ausregnen muss.

Wir müssen bei jeder Körperkrankheit den Weg zurückverfolgen, den sie vom Geistigen durch das Seelische genommen hat. Wir müssen überhaupt hinter jeder Materie, hinter jedem Ding das unsichtbare Urbild sehen, das sich in ihm verstofflicht hat. Das Wesen aller Dinge ist nicht der Stoff, sondern der Geist, der sich durch den Stoff offenbaren will. Die moderne Wissenschaft hat schon auf zwei Gebieten die Übergänge von Geist zu Stoff festgestellt: beim Atom und beim Virus.

Das Atom hat den zweiten Weltkrieg entschieden, das Virus kann Seuchen erzeugen, die Wirkungen beider sind furchtbar, aber beide sind übermateriell, weder durch Mikroskop noch sonstige Apparate oder Methoden nachweisbar, und trotzdem errechenbar, also vorhanden: Übergänge der geistigen in die stoffliche Welt. Die größten Beweise für die Verstofflichung von Geist würde man beim Menschen finden, wenn man nur die Augen dafür öffnen wollte. Der Mensch ist ein dauernder Schöpfungsvorgang, in ihm wird ununterbrochen Geist zu Stoff verdichtet (im Sterben und Werden der Zellen), seine Form ist ein Gefäß für einen ununterbrochenen Durchfluss eines Geistes in die Welt hinein: des Geistes der Liebe.

  1. Ein freudiges Ereignis

Wir sehen: Krankheit ist ein Vorgang wie Zeugung, Schwangerschaft und Geburt: Mangel an Liebe führt zur Zeugung der Krankheit im Selbst, in den seelischen Gebieten wächst sie heran wie während einer Schwangerschaft, und aus dem Körper heraus wird sie geboren. Ein geistiges Etwas, die Lieblosigkeit, macht den gleichen Verdichtungsprozess durch wie das Selbst; es wird schließlich im Körper zu einem stofflichen Geschehen, dass wir mit unseren Sinnen und wissenschaftlichen Untersuchungsmethoden feststellen und mit einer Diagnose bezeichnen können.

Diese erkennbare Krankheit ist aber nur das Endstadium eines Prozesses, dem, entsprechend den sechs Hüllen des Menschen, sechs Stadien vorausgegangen sind, welche der exakt wissenschaftlichen Feststellung nicht zugänglich sind, weil sich die Medizin als eine Naturwissenschaft nur mit dem stofflichen Geschehen befassen kann. Aber man weiß auch in der Medizin, dass jede Krankheit ein wissenschaftlich nicht fassbares Geschehen vorausgeht und bezeichnet dies mit „Konstitution“, „Diathese“ oder ähnlichen Begriffen, unter denen sich jeder seine eigenen Vorstellungen macht. Tatsächlich ist die Kenntnis der hier beschriebenen Vorstadien der Krankheit uraltes Menschenheitsgut, welches schon von dem „Vater der Heilkunde“ Hippokrates (geb. 460 v. Chr.), von dem gleichzeitig lebenden Philosophen Plato erwähnt und von Paracelsus (1493-1541) schon recht deutlich beschrieben wird. Auf ihren Lehren fußend hat um 1800 Samuel Hahnemann die Homöopathie geschaffen, welche zum ersten Male die Möglichkeit gibt, die Diagnose in exakter Weise ins seelische und geistige Gebiet hinein zu erweitern und gleichzeitig mit einer Arzneitherapie in diesen Gebieten einzusetzen.

Mit der Homöopathie ist eine Heilmethode geschaffen, welche die Krankheiten „mitsinnig“, also ihrem Sinn entsprechend behandelt und vom Geistigen her durch die Seele aus dem Leib hinauskehrt. Die Erfolge der Homöopathie mit Hochpotenzen (=vergeistigte Arzneien) haben den Beweis erbracht, dass die hier entwickelte Krankheitslehre richtig ist; denn anders lassen sich diese Erfolge nicht erklären. Auch die Naturheilkunde kommt dieser Auffassung nahe. Demnach ist die Körperkrankheit nichts anderes als die Regulation der vorangegangenen geistig-seelischen Stadien, sie ist ein freudiges Ereignis wie jede Geburt und soll daher weder geführt noch unterdrückt, sondern gründlich ausgebrütet und sinngemäß unterstützt werden, damit die Geburt auch eine Vollständige ist und weder Nachgeburt noch sonstige Reste zurückbleiben.

Aus unterdrückten akuten Krankheiten werden chronische Siechtümer. Liebet eure Krankheit! Nehmt euch Zeit auch für die kleinen Entzündungen wie Schnupfen und Grippe, brütet sie in der Bettwärme aus und nehmt Unannehmlichkeiten, Schmerzen und Krankheitszeit zum Anlass, um die geistige Ursache zu erkennen und künftig zu vermeiden!

  1. Selbstheilung

Alle Krankheit ist Selbstregulation, alle Heilung Selbstheilung. „Natura sanat, medicus curat“, die Natur heilt, der Arzt behandelt. Kein Arzt kann eine Krankheit heilen. Jede Heilung erfolgt nur durch das geistige Selbst und das, was wir als Krankheit bezeichnen, ist in Wirklichkeit der Heilvorgang, der durch die Behandlung sinngemäß unterstützt werden kann. Grundsätzlich aber heilt jede überhaupt heilbare, d.h. nicht schicksalsmäßig bedingte Krankheit „von selbst“, also durch das Selbst. Das Selbst hat die Krankheit dadurch erzeugt, dass es die unbotmäßige Seele-Leib-Organisation von der höchsten Kraftquelle, dem Liebesstrom, abschloss. Dadurch entstanden zuerst die seelischen Disharmonien, dann die körperlichen Gifte, und durch das Heilmittel Krankheit vollzog das Selbst dann die Reinigung seines Instrumentes, um sich seiner wieder bedienen zu können, den Geist der Liebe in die Welt zu senden. Krankheit ist Reinigung von seelisch-geistigem Schmutz und dient dem Wohl des Menschen.

Nach der gründlichen Ausscheidung einer gut ausgebrüteten Krankheit ist der Mensch geheilt. Er hat einen neuen, nicht mehr durch Affekte und Gifte gehemmten leistungsfähigeren Leib erhalten; durch die Schmerzen und Plagen der Krankheit wurde er gewarnt und nachdenklich gemacht; er möchte nun alles tun, um nicht mehr krank zu werden. Das kann er an einem kurzen oder an einem langen Ende anpacken und je nachdem wird auch die Dauer der Heilung anhalten. Die einen nehmen sich vor, Alkohol und Nikotin einzuschränken und mehr Wanderungen in der freien Natur zu machen, andere gehen radikaler vor: sie wollen überhaupt kein Fleisch mehr essen, damit sich keine Harnsäure mehr bilden könne. Wieder andere wollen sich heroisch abhärten, um vor Erkältungen geschützt zu sein. Es gibt sogar viele Menschen, welche die Zusammenhänge zwischen Seelenleben und Körper erkannt haben und sich nun um ein harmonisches Seelenleben bemühen.

Die ersteren haben ihre Vorsätze im Drang des Lebens bald wieder vergessen und kehren zur alten bequemeren Lebensweise zurück – eine neue Krankheit wird sie bald wieder zu Suchenden machen, bis sie nach vielleicht noch schwereren Schlägen auf den richtigen Weg kommen, auf dem diejenigen schon weiter geschritten sind, welche an ihrer Seele zu arbeiten versuchen. Diese werden, wenn sie sich nur ernstlich mühen, bald erkennen, dass man weder die Lebensweise noch das Seelenleben auf die Dauer ändern kann, wenn man nicht eine neue geistige Haltung einnimmt. Wenn sie aber in der geistigen Haltung festgeworden sind, dann macht alles andere keine Schwierigkeiten mehr.

Diese geistige Haltung heißt: Liebe! Sein ganzes Denken, Fühlen und Handeln mit Liebe erfüllen! Alles eigene Wollen und Wünschen überwinden, sich mit seinem ganzen Wesen, mit seiner ganzen Seele-Leib-Organisation in den Dienst des geistigen Selbst stellen und die innere Berufung erkennen und erfüllen und all sein Wirken im kleinsten und größten Wirkungskreis mit Liebe durchtränken!

Diese ausgestrahlten Liebesschwingungen ziehen automatisch neue geistige Liebeskräfte in den Menschen hinein und geben seiner ganzen seelisch-leiblichen Organisation die Gesundheit, Stärke und Harmonie, welche der Geistesmensch braucht, um seinen Weg zur Selbsterkenntnis zu vollenden.

Dr. med. homöop. Heinrich Will (1927)
(Die Tochter dieses außergewöhnlichen Arztes (1891-1971) veröffentlicht Texte von ihm auch auf facebook, "Naturheilkundlicher Ratgeber")