Yin und Yang im Gleichgewicht

Tian Jo PH


Die Begriffe Yin und Yang tauchen immer wieder auf, führen aber auch immer wieder zu Missverständnissen.
Yin ist das weibliche Prinzip, es ist passiv und aufnehmend.
Yang ist das männliche Prinzip, es ist aktiv und handelnd.

Jeder von uns hat sowohl männliche als auch weibliche Anteile und Harmonie entsteht dann, wenn sich beide Aspekte im Gleichgewicht befinden.

Wenn wir uns nun das Taiji-Symbol ansehen, dann sehen wir, dass sich immer auch ein Funken Yin im Yang befindet und umgekehrt. Jedes Extrem kippt in sein Gegenteil um,
extremes Yin wird zu Yang und umgekehrt.

Nimm einen Hasen, der bedroht wird, von einem Fuchs. Der Fuchs ist Yang und greift aggressiv an, der Hase als Fluchttier ist Yin. Aber wenn der Hase in die Ecke gedrängt wird,
so wird er auch Yang und sich aktiv wehren, sein Yin ist umgeschlagen in Yang, und das kann so massiv sein, dass der Fuchs Yin wird und seinerseits die Flucht ergreift.

Unser Leben verläuft dann harmonisch, wenn sich Yin und Yang abwechseln, in gleichem Maße. Zeiten des Handelns und Zeiten der Ruhe. Wer nie eine Pause macht,
klappt bald zusammen und ist nur noch passiv, wer nur passiv ist, wird bald merken, das aktives Handeln zum überleben notwendig ist.

Auch von außen begegnet uns diese Kraft und bedrängt uns, und in der nächsten Phase gibt die Gelegenheit für uns zu handeln.

Wenn mich das Leben bedrängt, zu Entscheidungen zwingen will, kann ich natürlich dagegenhalten und alles, wogegen ich kämpfe, verstärke ich. Genauso wenig dienlich ist es,
Phasen, in denen ich handeln kann, ungenutzt verstreichen zu lassen.

Ich verhalte mich dann klug, wenn ich auf die äußeren Einflüsse eingehe und mit ihnen schwinge. Kommt eine Yang-Phase auf mich zu, passe ich mich dem an, und werde Yin,
ich biete keinen Angriffspunkt und lasse die auf mich zukommende Kraft ins Leere laufen. Da ein extremes Yang umkippen muss in extremes Yin, werde ich dann Yang,
wenn dies geschieht und ich meine Chance bekomme. Ich kann dann mit meinem Yang den Schwung des Yin ausnutzen, strenge mich kaum an und erreiche mit Leichtigkeit mein Ziel.

Und wer hier das Prinzip des Rhythmus aus der Hermetik wiederfindet, liegt nicht ganz falsch.